Das Taiji

Taiji ist der Name des berühmten Yin-Yang-Symbols: das Höchste, das Letzte, das oberste Prinzip.

Dieses Symbol zeigt die dynamische Einheit und das ineinander Umschlagen zweier scheinbarer Gegensätze. Yin entspricht der Schattenseite eines Berges, Yang seiner Sonnenseite: es gibt kein Yin ohne Yang, es gibt kein abwechselndes Nacheinander von Yin und Yang! Hier bestehen in der Taiji-Welt - gerade auch im Hinblick auf die Kampfanwendung des Taiji - gravierende Missverständnisse.

Das Taiji die gleichzeitige Präsenz scheinbarer Gegensätze ist genau genommen das einzige Prinzip des Taiji Qigong und des Taijiquan. Im Kampf bedeutet dies z.B. die Gleichzeitigkeit von Verteidigung (yin) und Angriff (yang). Der Übergang vom Qigong zum Taiji ist dadurch gekennzeichnet, dass wir von einem einzigen Mittelpunkt ausgehend zwei Mittelpunkte in uns entdecken (siehe Taiji-Symbol). Durch diese entscheidene Veränderung kann die Energie des Qigong für den Kampf und für die bewegte Meditation nutzbar gemacht werden.

Form und Inhalt (also das Taiji-Prinzip) verhalten sich im Qigong und im Taijiquan zueinander wie Trinkglas und frisches Bachwasser: Es geht niemals um das Glas! Und das Wasser kann sehr wohl auch ohne Glas getrunken werden, nämlich mit der bloßen Hand! Natürlich kann man das "Trinken" mit einem Glas (Form) kultivieren - aber dazu sollte man doch vorher wissen, worum es überhaupt geht, oder? Und man sollte immer wieder zum Bach zurückkehren - oder willst Du abgestandenes Wasser aus einem altehrwürdigen Glas trinken? Die "Form" steckt allenfalls den Rahmen ab, sie ist nicht das Bild.

Yin Yang 2011-06-28 (341K)